Predigt "Wertschätzen"

Predigt zur Haltung "Wertschätzen" von Pfr. Gerhard Bundschuh 27./28.02.16     

Liebe Schwestern und Brüder,

Die Diözese hat einen Prozess in Angriff genommen, in dem es um die Erneuerung der Kirche geht. Unter dem Leitwort: Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten gestalten – lädt die Diözese die Gemeinden ein, Kirche vor Ort zu gestalten, dass sie missionarische, diakonische und sakramentale Kirche werden

Alle sagen: „So wie es ist, kann es nicht weiter gehen.“
Deshalb gehen wir als Diözese einen Entwicklungsweg.
Wir suchen Antworten auf die Fragen:
Wozu sind wir heute Kirche? (VISION)
Was ist unser Auftrag? (MISSION)
Wie machen wir das? (STRATEGIE

Als Kirche begegnen wir Menschen auf Augenhöhe (dialogisch),
sind wir zum Dienst am Menschen (diakonisch)
gesandt, das Evangelium zu bezeugen (missionarisch):
Gott zeigt sich durch uns in Tat, Wort und Zeichen (sakramental).

KIRCHE AM ORT – Kirche an vielen Orten“ ist der Entwicklungsweg der ganzen Diözese:
in allen Kirchengemeinden, Gemeinden, an allen kirchlichen Orten, in den Dekanaten und auch auf Diözesan- und Verwaltungsebene werden diese Fragen gestellt und Antworten entwickelt:
 
... so wird es gehen:
Sich anstecken lassen von zentralen Geistlichen Haltungen
vertrauen
lassen
erwarten
wertschätzen
 
Sich einlassen auf die Lebenswirklichkeiten aller Menschen
und darin Gott entdecken

Diese Haltungen stecken hinter diesem Prozess.
Der Prozess möge von Wertschätzung geprägt sein: Tradition und Fortschritt, Klerus und Laien, Frauen und Männer, Hauptamtliche und Ehrenamtliche, Gläubige und Ungläubige, Junge und Alte, Aktive in der Kirche und Engagierte anderswo gehören zusammen, stehen zueinander auf Augenhöhe und sind ohne die anderen nur die halbe Kirche, nur der schlechtere Teil eines ersehnten Reiches, das Jesus uns als Gesellschaft Gleichgestellter verheißen hat.

Der Prozess ist ein geistlicher Übungsweg. Er ist dann auch ein pastoraler Prozess und eine Strukturreform. Aber zuerst soll er ein geistlicher Übungsweg sein. Ein Exerzitium der Kirche auf dem Weg zu sich selber. Üben heißt immer wieder und immer wieder neu. Üben beinhaltet auch Fehlerfreundlichkeit. Üben ist immer auch miteinander üben. Üben üben üben, das ist Christsein."
 
Eigentlich wissen wir ja schon, wie wir als Christen leben sollten. – Wissen ja, - aber das Tun?
Es ist ein weiter Weg vom Wissen zum Tun.

Eine Übung ist:
Wertschätzend wahrnehmen, wer mir oder was mir begegnet?
Es geht ums Sehen und gesehen werden, um wahrnehmen und wahrgenommen werden.
Wie oft gehen wir blind durch den Alltag? Oder auch taub?
Haben wir Augen für die Schöpfung und den Menschen – und Ohren für die leisen Stimmen der Natur und die hilfesuchenden Worte von Menschen?
Haben Sie schon Ihren Nachbarn in der Bank neben Ihnen wahr-genommen? Kennen Sie ihn?  Dann fragen Sie doch: wer bist du? Wo wohnst du?

Wertschätzen: meint zum Beispiel auch: Haben Sie heute schon gelobt? Wen?
Was wurde ihnen heute schon Gutes getan?

Haben Sie heute schon gedankt?  - Danke gesagt?

Wertschätzen ist zunächst eine Haltung, wie ich anderen begegne:
Wem möchte ich meine Wertschätzung zeigen?
Welchen Wert hat der Nächste für mich?
Welchen Wert schätze ich am anderen? Was kann er gut, was gefällt mir, …

Wertschätzen ist aber auch eine Sehnsucht in mir selbst:
Von wem möchte ich gesehen werden?
Von wem möchte ich wertgeschätzt werden?
Ich freue mich, wenn ich im Blickfeld des Partners bin.
Das Kind freut sich, wenn die Eltern die Fähigkeiten des Kindes erkennen, wertschätzen, auch akzeptieren, wenn es andere Werte sind, als die eigenen.
Die Begegnungen Jesu mit den Menschen zeigen dies vielfältig auf.

Wertschätzung gibt einem Menschen sein Leben zurück, wenn es missachtet wurde.
Es ist ja ein ganz breites Umfeld, um jesusmäßig zu handeln:
Den Menschen wahrnehmen in seinem Leben
In der Familie
In der Schule
In der Arbeit

In der Nachbarschaft –

Da sagen ja vielleicht manche: der ist für mich wert-los. – Gleich – gültig.

Den Menschen wahrnehmen in seinem Leben:
Den alten Menschen – im Pflegeheim
Den kranken Menschen
Den Behinderten
Den Flüchtling und Asylsuchenden
Den Andersdenkenden.

Jeder Mensch ist Abbild Gottes und hat von Natur aus seinen Wert.
Schätze ich das durch meine Haltung dem Menschen – dem Nächsten gegenüber.
Üben können wir – sicher in der nächsten Woche:
Wertschätzend wahrnehmen, wer mir oder was mir begegnet.
Amen.