Predigt "Vertrauen"

Predigt zur Haltung "Vertrauen" von Pfr. Bundschuh am 5.Ostersonntag 2016


Liebe Schwestern und Brüder

Vertrauen – wertschätzen – lassen – erwarten – sind die 4 Grundhaltungen für den Prozess Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten gestalten.
Wir haben schon mehrmals darauf hingewiesen. Es geht um die persönliche Erneuerung und Wandlung im Glauben, aber auch um eine neue Besinnung der Kirche auf das Evangelium.

Vertrauen:

Überlegen wir: Wer vertraut mir? –
Wem vertraue ich?
Menschen – Gott – Organisationen

Wenn mir jemand vertraut – tut mir das gut. Das gibt mir Sicherheit und Mut.
Wenn der Partner mir vertraut, weiß ich mich geliebt,
Wenn Eltern den Kindern vertrauen – und umgekehrt – schafft dies Lebensraum und Beziehung.

Wer vertraut mir? – Warum. Weil ich zuverlässig bin,
der Chef, weil er sich auf mich verlassen kann und ich die Arbeit selbständig erledige.
Wer vertraut mir- das ist ja nicht nur der Partner, die Eltern und der Chef.
Das sind viele Menschen des täglichen Zusammenlebens, die Gemeinschaft ermöglichen.
Wo es kein Vertrauen gibt, da herrscht Angst, Misstrauen und Vorbehalte
Vertrauen bedeutet, in der Gewissheit zu leben, dass ich gehalten und getragen bin, dass ich buchstäblich Boden unter den Füßen habe.
Wenn ich auf festem Grund stehe, kann ich Sicherheit und Standfestigkeit erfahren.
Dass mir jemand vertraut – muss ich vertrauenswürdig sein, das meint. Ich bin würdig, wert, dass mir jemand das Vertrauen schenkt, letztlich weil er mich mag.
So ist es auch bei Gott. Er vertraut mir mein Leben an, damit ich es recht gestalte, Leben als Gabe und Aufgabe.
Vertrauen ist mir geschenkt, aufgrund meines Menschseins, meiner Art.

Wem vertraue ich?
Vertrauen beruht sicherlich auf Gegenseitigkeit, wenn Vertrauen nicht missbraucht und enttäuscht wird. Vertrauen ist eine Beziehungssache, bei einem Fremden muss Vertrauen erst wachsen.
Wenn etwas vertraulich ist, ist es nicht für Öffentlichkeit bestimmt, sondern gezielt auf jemand hin, der mit der Sache vertraut ist, vertrauliche Informationen, vielleicht auch erste Überlegungen in einer heiklen Sache, Vertrauen achtet und beachtet den anderen und gibt ihm Würde.

Wem vertraue ich: dem Freund, Organisationen, dass sie ihre Aufgabe gewissenhaft erfüllen,
ich vertrau ein Stückweit der Technik, ich vertrau dem Busfahrer, Zugführer oder dem Piloten, dass er mich heil ans Ziel bringt.
Ich vertrau auf auf Gott.
Abraham vertraute Gott, dass er seine Verheißung erfüllt, der Hauptmann von Kafarnaum vertraut Jesus, dass er seinen Knecht gesund macht.

Psalmen drücken immer wieder das Vertrauen auf Gott aus, der uns auf unseren Wegen behütet und begleitet, dessen Stock und Stab halt und Zuversicht geben – ganz besonders in den Situationen, in denen wir den Boden unter den Füßen verloren haben.
In vielen Kirchenlieder bitten wir um das Vertrauen und um die Gewissheit, dass Gott uns auch in Situationen des Zweifels und der Unsicherheit wieder auf festen Grund führt. Hilfe und Stütze können dabei Menschen sein, die uns begleiten, denen wir vertrauen können.
Wenn mir dieses Vertrauen geschenkt ist, kann ich mich in Bewegung setzen, einen ersten Schritt wagen, mich auf neue Wege begeben. Wenn ich mir selbst und dem Boden unter meinen Füßen traue, kann ich ein Risiko eingehen, mich auf Unbekanntes und Überraschendes einlassen.
Vertrauen nimmt Angst, setzt frei.
Vom Evangelium her kennen wir die Geschichte vom Seesturm.

Der Wind bläst, das Boot treibt auf den Wellen, die Jünger haben Angst – und Jesus schläft.
Als sie ihn wecken, er den Sturm beruhigt, fragt er seine Jünger: Warum habt ihr Angst?
Habt ihr kein Vertrauen.
Oft kommt unser Vertrauen auf Gott in Zweifel, weil wir meinen: Gott schläft.
Er macht nichts, er lässt uns ins Unglück rennen.
Doch dem ist nicht so?
Vertraue ich auf Gott? –

Oder als Jesus den Jüngern auf dem Wasser entgegenkommt.
Als ihn die Jünger über den See kommen sahen,
erschraken sie, weil sie meinten, es sei ein Gespenst,
und sie schrien vor Angst.
Doch Jesus begann mit ihnen zu reden und sagte:
Habt Vertrauen, ich bin es;
fürchtet euch nicht!
Darauf erwiderte ihm Petrus:
Herr, wenn du es bist,
so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme.
Jesus sagte: Komm!
Da stieg Petrus aus dem Boot
und ging über das Wasser auf Jesus zu.

Als er aber sah, wie heftig der Wind war,
bekam er Angst
und begann unterzugehen.
Er schrie: Herr, rette mich!
Jesus streckte sofort die Hand aus,
ergriff ihn und sagte zu ihm:
Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?

Ängste werden uns bleiben. Auch Anfechtungen in unserem Vertrauen in Gottes Liebe. Doch mitten in Angst und Zweifel können wir auch manchmal erfahren, meist erst im Nachhinein: Gott war da. Vielleicht dürfen wir sogar dankbar sein, dass uns Nöte und Ängste nicht erspart geblieben sind, weil wir gerade darin Gottes schützende Hand umso mehr erfahren durften. Jesus sagt auch mir: Verliere in einer dir ausweglos erscheinenden Situation nicht das Vertrauen in Gott. Er weiß einen Ausweg weiß, wo du nicht mehr ein noch aus weißt. Er fängt dich auf, wo du unterzugehen drohst.
So wie den Petrus, der das sichere Boot verlasst – Jesus entgegengeht.

Wem vertraue ich?
Gott, Menschen, Organisationen?
Wer vertraut mir?
Gott, Menschen, Organisationen?

Zum Schluss noch eine Vertrauensgeschichte:

Hoch über dem Marktplatz einer kleinen Stadt hatte ein Seiltänzer sein Seil gespannt und machte dort oben unter den staunenden Blicken vieler Zuschauer seine gefährlichen Kunststücke. Gegen Ender der Vorstellung holte er seine Schubkarre hervor und frage einen der Anwesenden: „Sagen Sie, trauen Sie mir zu, dass ich die Karre über das Seil schiebe?“
„Aber gewiss“, antwortete der Gefragte fröhlich, und auch mehrere andere der Umstehenden stimmten der Frage sofort zu. „Würden sie sich dann meiner Geschicklichkeit anvertrauen, sich in die Karre setzen und von mir über das Seil fahren lassen?“, fragte der Schausteller weiter.
Da wurden die Mienen der Zuschauer ängstlich.
Nein, dazu hatten sie keinen Mut!
Nein, das trauten sie sich und ihm nicht zu.

Plötzlich meldete sich ein Junge
..Ich setze mich in die Karre“, rief er, kletterte hinauf, und unter dem gespannten Schweigen der Menge schob der Mann das Kind über das Seil. Als er am anderen Ende ankam, klatschten alle begeistert Beifall. Einer aber fragte den Jungen: „ Sag, hattest du keine Angst da oben?“
„O nein“, lachte der, es ist ja mein Vater, der mich über das Seil schob.

Vertrauen wir Gott, dass er uns durchs Leben schiebt?